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Restauration eines Yamaha K-560

Aufgrund einer Anregung in einem Forum habe ich sogleich ein Deck in der Bucht gefunden. Es war als
defekt deklariert, der Antriebsriemen wäre wohl hin. Es hat außer mir niemand drauf
geboten, da dachte ich, naja, für 1€ + Versand kann man da nicht viel falsch machen,
...2,1,meins

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Erfreulich ist zunächst, bis auf einen kleinen Kratzer an der oberen Blende des
Cassettenschachtes ist das Gerät äußerlich unversehrt. Es klebt lediglich ein deutlicher
Nikotinfilm auf der Oberfläche, aber was zum Reinigen möchte man ja auch haben...
Alle Schrauben sitzen sehr fest, keine nachträglichen Lötspuren zu entdecken, demnach
wurde das Gerät noch nie geöffnet.

 

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Die Anzeigenbeleuchtung und alle LED (die beiden Peak-LED konnte ich nicht prüfen) gehen,
nur die Lampe der Cassettenschachtbeleuchtung nicht.

 

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Die Übersicht zeigt, die Platine hat man hier "hängend" mit Bestückungsseite nach unten
verbaut. Die wichtigen Justierpotis sind allerdings von oben per Beschriftung identifizier- wie
(durch Löcher) erreichbar.

 

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Wie vom Verkäufer beschrieben, schlabbert der Antriebsriemen kraftlos in der Mechanik,
nicht nur der - auch die beiden Sekundärvierkantriemen für Bandlaufüberwachung und
Zählwerk sind "matschig". Diese müssen auf jeden Fall ersetzt werden. Es handelt sich hier
um einen Kombikopfrecorder mit einfachen Capstan, allerdings mit gut dimensionierter
Schwungmasse. Leider rattert der Antriebsmotor etwas, ob ich den neu bekomme, keine
Ahnung. Ob man noch so einen Motor als Ersatzteil bekommt? Ich glaube eher nicht

 

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Auch die Köpfe sehen gut aus und scheinen nur wenig Verschleiß zu haben. Angeblich sollen
sie mehrfache Plasmabeschichtung bekommen haben, so eine Aussage im HiF-Forum.de
welche angeblich so teuer war, das Yamaha diese Sendustköpfe schon bald nicht mehr
herstellte sonder weniger hochwertige von Zulieferern eingekauft haben soll.

 

Yamaha K-560_12

Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf spätere Arbeiten, die beiden Potis für den
BIAS...
Als kommende Arbeiten sind erst einmal die Riemen zu wechseln, das Reibrad der Wickel zu
prüfen/neugummieren und eine komplette Reinigung. Erst dann kann man mit der
Meßtechnik anrücken. Da noch die Plattenwaschmaschine fertig gebaut werden will, wird
sich dieses Projekt etwas hinziehen.

Ich hatte heute nochmal die Finger im Gerät, zwecks "Neugummierung". Als erstes den
heute eingetroffenen Ersatzriemen nachgemessen:
Durchmesser 50mm (so halbwegs rund gelegt...)
Stärke 0,6mm
Breite 3mm
Das Original hat dagegen (war schwieriger zu Messen, da der Riemen "zerfließt")
Durchmesser ~70mm (völlig überdehnt)
Stärke 0,5mm
Breite 3,5mm
Ich habe bei Gummimeyer neben den beiden benötigten Vierkantriemen (hier habe ich
kurzerhand das große Set genommen, da wird schon was passen) auch noch einen weiteren
Flachriemen mitbestellt, der vielleicht noch näher am Originalriemen ist. Außerdem noch
einen kleinen 18x2x2 - vielleicht paßt der auf das Idlerrad für den Bandwickel. Bleibt als
letztes noch die Gummiandruckrolle, vielleicht bastle ich da was per Ibäähiii, vielleicht muß
sie auch noch gar nicht getauscht werden, macht auf den ersten Eindruck einen noch
brauchbaren...
Ich spielte dann noch ein wenig mit dem Antriebsmotor, nachdem mir der alte Riemen fast
entgegen geflossen kam. Meine Freudenentdeckung des Tages: Der Motor rattert nur im
Leerlauf. Ich brauche den Pulley nur ganz sanft mit der Fingerkuppe berühren, der seitliche
Druck ist dabei sogar deutlich weniger als eine Riemenspannung, da wird er Motor
mucksmäuschenstill, nur noch ein feines Sirren bleibt vernehmbar. Da fiel mir ein großer
Stein vom Herzen, denn ohne guten Motor wäre das Gerät wohl eher was zum nur
noch anschauen. So steht dem Neuaufbau kaum noch was im Wege.

Interessant, in Japan hieß das K-560 K-8 und mit zusätzlichen DBX, leicht geänderten Reglern als K-9 erhältlich. Auffällig noch die Hellgrau oder Silbergrau lackierten Gehäusebleche, die beim europäischen Modell schwarz waren.

 Werkfoto Yamaha

So heute bin ich einen entscheidenden Schritt vorangekommen und konnte das K-560 wieder nahe an seinen Originalzustand bringen. Anhand des Etikettes am Motor und der Seriennummer 3080 läßt sich ableiten, das das im September 1980 hergestellte Deck noch am Anfang der Serie stand. Ein Foto aus dem Netz zeigt die Seriennummer 17xxx

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Das Gerät wurde gehäusemäßig zerlegt, hier sehen wir die demontierte Frontblende.

 

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Kaum zu glauben, was jemand im HF schrieb, aber es stimmt, die Klarsichtabdeckung der VUs ist tatsächlich aus Glas.

 

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Der Sendustkopf, eine Eigenentwicklung von Yamaha.

 

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Leider brach beim Ausbau des Laufwerkes der Zentrierstift fürs Cassettengehäuse ab. Dabei hatte ich gar keine Kraft aufgewendet.

 

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 Das Laufwerk

 

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Die Tonköpfe sind direkt verlötet, kopfseitig wie auf der Platine. Zum Ausbau des Laufwerkes mußten die Kabel abgelötet werden.

 

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Das laufwerkslose Gehäuse.

 

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Das Cassettenfach von hinten. Das Lämpchen hat einen Wackelkontakt und ist anscheinend schon mal heiß geworden, der Klarkunststofflichtleite ist im Bereich der Glülampe leicht deformiert.

 

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Das nun vollständig ausgebaute Laufwerk.

 

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 Hier noch einmal die Bruchstelle vom Zentrierstift. Glück im Unglück: Der Stift hat eine Bohrung, die wie wir weiter unten sehen werden, sehr nützlich ist.

 

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Das Laufwerk von der Rückseite. Diese wird jetzt geöffnet, um den Antriebsriemen wechseln zu können. Zugleich werden die Motoren überprüft.

 

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Den Motor selbst bekommt man mit einem "Dosenöffner" in Form eines kleinen Schraubendreher geöffnet...

Das Deck wurde wohl kurz nach der Herstellung des Motors montiert, wie man am Datum auf dem Deckel "24. September 1980" erkennen kann.

 

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...wobei es sich hier eher um ein doppeltes Motorgehäuse handelt. Das äußere Gehäuse dient vor allem der Abschirmung gegen die Tonköpfe.

 

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Zur Geräuschdämmung ist vorne eine Gummischeibe...

 

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...und hinten eine Schaumgummischeibe verbaut. Diese klemmt zugleich den Motor im Gehäuse, so das er nicht wackelt.

 

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Darunter sitzt die Steuerelektronik, die die Geschwindigkeit des Motors regelt.

 

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Von vorn sieht er fast wie ein billiger Modellbaumotor aus. Das Sinterlager des Motors vorne war schon trocken, daher kamen die Rasselgeräusche. Nach der Ölung des Lagers gibt der Motor nur noch ein feines Sirren von sich.

 

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Praktisch baugleich der Wickelmotor. Auch dieser war schon trocken. "Trocken" heißt hier im Notlauf. Die Motoren scheinen aber noch einwandfrei zu laufen, denn läßt man sie länger trocken laufen, neigen sie zu Lagerfressern. So ein Fresser beendete nach 16 treuen Jahren damals die Dienste meines Toshiba PCX-60AD Decks. Leider damals zu spät bemerkt, die Elektronik schmorte wegen des zu hohen Laufwiederstandes durch.

 

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Der demontierte Wickelmotor. Der Pulley ist hier aus Metall, bei späteren Versionen (wie ich anhand von Fotos im Netz feststellen durfte) waren die Pulleys nur noch aus Kunststoff.

 

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Auch das Reibrad für die Bandwickel wird geprüft. Gefürchtet sind diese Teile bei versprödeten Gummi, dann neigen sie zum durchrutschen. Ein Aufrauhen der Lauffläche wirkt meist nur kurze Zeit.

 

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Der rechte Bandwickel ist über eine Riementransmission mit einem Hallgeber und dem Zählwerk verbunden. Auch diese Riemen haben sich sprichwörtlich verlüssigt. Her kleben noch verbliebene Bruchstücke in der Führungsnut.

 

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Vorsorglich hatte ich bei Gummi-Meyer auch einen solchen Gummi wie links abgebildet besorgt, der ist leider aber ein wenig zu groß. Aber Glück: Der Originalgummi ist im Gegensatz zu den Riemen noch sehr gut erhalten, weder schmierig noch spröde. Ich kann ihn daher bedenkenlos weiter verwenden.

 

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Der rechte Bandwickel wurde indes von seinen Artefakten befreit, die Fingerkuppen waren davon im Nu schwarz.

 

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Die Achsen der Wickel habe ich mit einem Spezialfett eines Modellbahnherstellers leicht eingefettet.

 

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Anschließend wieder die Klemmscheibe aufgedrückt und zum Schluß die Kappe.

 

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Auch die Lagerung des Reibrades ist einen Blick wert. Es darf nicht zu leicht aber auch nicht zu schwer drehen.

 

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Das gereinigte Reibrad. Mittels der querliegenden Bronzefeder kann die Reibung und damit der Bandzug eingestellt werden. Hier war kein Bedarf zu einer Korrektur.

 

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Nun geht es zur Schwungscheibe. Sie ist wie üblich aus Zinkdruckguss.

 

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Die Schwungmasse ist ordentlich dimensioniert.

 

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Die Achse war ebenfalls pupstrocken und im Notlauf, aber ohne Schäden.

 

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Das Laufwerk von innen. Unten das kleine Hubrelais, welches die Bremsbacken nach dem Spulen anzieht und die Wickel abbremst. Das große Relais hinten zieht den Kopfschlitten an. Die Spannfeder vorn hält die Ruhelage definiert.

 

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Jetzt kommt der neue Riemen rauf. Er spannt immer noch so knapp, das er schon an der Schwungscheibe hält. Es ist der Flachriemen BF-053 von Gummi-Meyer, der hier recht gut paßt.

 

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Nun wird das Laufwerk wieder zusammengesetzt.

 

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Mit etwas geschicktem Zerren und Zurren ließ sich der Riemen dann auch dazu überreden, seinen vorgesehen Platz auch am Pulley einzunehmen.

 

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Auf den rechten Wickel kommt wieder der Hilfsriemen für Bandlaufüberwachung und -zählwerk. Es ist ein 43er Riemen, den ich experimentell aus dem Riemensortiment von Meyer ausgesucht habe.

 

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Nun müssen wir noch den unglücklichen Zentrierstift wieder an seinen Platz bringen. Zum Glück hatte ich vom Koshin-Pojekt noch ein Stück 2mm-Edelstahldraht übrig. Diese Achse nehme ich als Verstärkung, da bekanntlich auch die bestverklebte Kunststoffachse wieder an seiner Klebestelle brechen wird.

 

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Ich hatte noch eine neue Packung Superkleber speziell für Kunststoffe, der hier mal zeigen konnte, ob er taugt...

 

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Er taugt. Ich habe sicherheitshalber knapp 24h aushärten und ablüften lassen, aber der Stift sitzt stabil und fest.

 

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Auf der Rückseite sieht man, wo der Stift rauskommt.

 

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Wieder alles verschlossen kann es zum Einbau in das Gehäuse gehen....

 

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Hier noch ein bewußt unterbelichtetes Bild vom Kopfspiegel, welches den Verschleiß des Kopfes zeigt. Das Verschleißbild hält sich aber noch in Grenzen, der Kopf scheint noch brauchbar.

 Bevor das Laufwerk aber zu seinem Recht kommt, muß erstmal das Gehäuse wieder Hochglanz gebracht werden.

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Die Blende des Cassettenschachtes vorher...

 

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...und nachher. Der Nikotinfilm ist schon heftig, wie später erst noch offensichtlicher werden wird.

 

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Alles Braune ist ein dicker Raucherfilm.

 

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 Eine Zahnbürste mit Glasrein hilft schon recht gut auch bei verwinkelten Stellen.

 

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Eine halbe Rolle Küchenpapier sah dann so aus. Teilweise geht das schon bis an die Ekelgrenze. Immerhin war das braune Zeugs schon mal in Lungen von Menschen, bevor es sich auf dieses Gerät breit machte. Der Vorbesitzer muß Kettenraucher gewesen sein und sicherlich haben noch weitere Lungen bei Kräften mit geholfen, das Gerät zu "bräunen", zudem ist der Belag auch klebrig. Wer von Euch Raucher ist, empfehle ich draußen zu rauchen, zumindest in einem anderen Raum, die Geräte werden es Euch danken.

 

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Ja, dann passierte noch was. Das Reibrad für den Bandwickel schwenkte nicht mit der Spulrichtung sondern blieb stehen, dann schnippte mir noch die Andruckfeder weg, ich hörte sie noch aufschlagen, fand sie aber nicht mehr wieder. Also guter Rat teuer. Wie durch Zufall hatte ich noch aus alten Modellbautagen etwas Federstahldraht über. Aber 0,4mm sind schon zu stark, keine Veränderung, da Reibrad bleibt, wo es ist.

 

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Die selbst nachgebogene Feder paßte nach ein paar Versuchen zwar, war aber zu stark.

 

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Also noch ein paar mehr Versuche, aber immer noch erfolglos...

 

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Manchmal können Dinge so einfach sein. Ich hatte noch einen schwächeren Draht. Nach einigen Versuchen ohne Draht aber mit Festhalten der Reibradmechanik fand ich heraus, das eine ganz geringe Federkraft völlig ausreicht. Der 0,3mm Draht wurde einfach quer gelegt und schon funktionierte der Bandwickel wie gewünscht in beiden Richtungen. Auch die Wickelkraft ist ausreichend groß, aber nicht zu groß.

 

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Dann endlich alles eingebaut, Kopfkabel wieder verlötet und es ging zur ersten Laufprobe. Ein voller Erfolg, das Gerät läuft wieder. Den Spuren nach muß es schon mehrere Jahre unbenutzt gewesen sein, bis sich der Vorbesitzer einsichtig zur Trennung entschied, da mit diesem defekten Gerät eh nichts mehr zu holen wäre. Hier läuft es nun wieder in sein zweites Leben.

 

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"Sommer 84" ist hier natürlich nicht mehr drauf sondern ein paar Radiomitschnitte mit Clubsounds. Die Sony BHF ist schon recht abgenudelt und diente hier eher dem Funktionstest.

 

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Ton auf beiden Kanälen, die VUs zappeln beide, sogar die Peak-LED spricht an.

 

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Linker Knopf noch wie erworben, rechter Knopf bereits gereinigt.

 

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Der Motor läuft bereits, ich habe ihn mehrere Stunden ohne Betrieb nur mit eingelegter Cassette den Riemen einlaufen lassen.

 

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Der zweite Transmissionsriemen ist ein 47er aus dem bereits erwähnten Sortiment von Gummi-Meyer.

 

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Der mit einem schwarzen Kunststofffolienlaminat versehene Gehäusedeckel hatte es dann nochmal in sich, er schien besonders gut den Rauchfilm angezogen zu haben, ich mußte ihn sogar mit Büste und Glasrein in der Badewanne schrubben, da mit Küchenpapier allein dieser dicken Schicht nicht mehr Herr zu werden war, danach war er endlich sauber und glänzte im feinen Seidenmattschwarz fast wie neu.

 

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Auch der Gehäuseboden war ähnlich zu gesetzt. Der braune Schaum ist alles gelöster Raucherfilm.

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Dann konnte bis auf die nur aufgelegte Kopfabdeckung wieder alles montiert werden. Sogar die Schachtbeleuchtung tat es mal wieder...

 

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Der Tonkopf muß noch im Azimuth überprüft werden, erst dann kann die Abdeckung wieder fest geklipst werden.

Nun zur erste Session mit Meßtechnik. Ich hatte beim zerlegen des Antriebsmotors versehentlich leicht das Poti für die Geschwindigkeit verstellt, nur einen kleinen Ruck, es muß ein "Glücksruck" gewesen sein, denn die Geschwindigkeit paßte laut Frequenzzähler mit BASF-Service Band (Wow and Flutter) perfekt. Ganz ungläubig bremste ich dann mit dem Finger etwas den Pulley ab, tatsächlich, der Frequenzzähler reagierte. Die Abweichungen betrugen lediglich +/- 1,5Hz, was ich mit einer Gleichlaufabweichung von 0,047% errechnete, welches dem meist ohnehin idealisierten Prospektwert von 0,04% WRMS sehr nahe kommt.

Den Azimuth hatte ich mit der gleichen Cassette überprüft, da hier die Gewähr einer korrekte Justage vom Band erwartet werden kann. So sah der Azimuth vorher aus, nicht gerade genau...

<BILD>

..nach einem kleinen Dreh an der Schraube sieht das schon viel besser aus.

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Eigenartiger Weise geht das VU bei 200nWb/m wieder recht genau.

 

Dann habe ich den Azimuth nochmal mit 16kHz von einem anderen BASF-Band gemessen.

 

 

Ein kleiner Nachschubser an der Schraube ließ dann auch hier die hier gerade etwas geöffnete Ellipse immer wieder zu einer Linie zusammenfallen, besser geht es nicht.

Anschließend habe ich REC-Level und BIAS auf die jüngeren TDK-SA 90 eingemessen. Während der REC-Level praktisch schon stimmte, war der BIAS noch etwas zuviel, also nachgedreht. so das bei 12,5kHz ein minimaler Anstieg zu erkennen war (etwas mehr als Strichstärke im Oszi) Dann ging es nach oben ins Musikzimmer...

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Frisch geputzt, montiert und justiert steht das K-560 nun zum Soundcheck bereit. Aussehen tut es wieder fast wie neu. Nur das Lämpchen für die Cassettenfachbeleuchtung will mal wieder nicht, aber das wird später gefixt...

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Dann fanden die ersten Testaufnahmen statt.

 

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Die VU-Meter sind eigentlich völlig überflüssig für Musikaufnahmen, da sie nur im Bereich bis -10dB vor sich hinzappeln, ich habe so ausgesteuert, das gelegentlich die "+3dB" Peakanzeige in Grün aufflackert. Es hätte aber noch ein wenig mehr Pegel sein können, denn das Bandrauschen ist an Pianostellen doch unüberhörbar. Ich werde, wenn ich das SM habe, mal drüber nachdenken, wie ich die Zappelmaxen in Peakmeter umbauen kann...

Der Klang ist recht ordentlich und ausgewogen nur bei einem Stück von Jan Akkermann's "Pleasure Point" habe ich den Eindruck das auf der Badaufnahme die Fußdrum etwas dominanter kommt. Die Höhenwiedergabe und Feindynamik ist gut, auch wenn sie nicht ganz das getweakte KX-670 erreicht. Hier denke ich, liegt aber auch noch Potential, mit einigen Folienkondensatoren, die die Elkos brücken noch etwas mehr herauszukitzeln, denn der Klang ist für mich der typische "Elkoklang", wo noch ein dünner Vorhang vor den feinsten Details hängt. Ich werde mich in den nächsten Tagen mal ranmachen und ein paar MKS aus meiner Grabbelkiste einlöten. Die haben damals meinen verblichenen Toshiba-Aurex auch "Beine" gemacht.

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Das Gerät läuft gerade zum Test mit gebrückten Elkos (MKS 150nF aus der Restekiste) und ich habe inzwischen herausgefunden, das die VUs mit fetten 220µF ruhiggestellt wurden, also noch mal in der Grabbelkiste gewühlt und anstelle zwei Tantalelkos mit 10µF rein und schon zappeln die Zeiger wie junge Götter.  Ich werde vielleicht nur den Rücklauf ruhigstellen. Ein weiteres Problem dabei ist, das die Anzeige noch nicht ganz stimmt. Das werde ich nach dem Kondensatorhörtest klären und die Anzeigen richtig abgleichen. Ebenfalls dann noch mal alle Pegel. Bisher bin ich aber auf gutem Weg. 

Die grüne Beleuchtung der Anzeigen gefiel mir noch nie so recht, ich kenne sie bereits von meinem früheren Toshiba PCX-60 AD, unbeleuchtet gefielen mit den Anzeigen schon immer besser, da waren sie silber.

Hat Gold als Grundfarbe gelb, Kupfer rot, so hat Aluminium weiß. Ergo entschloß ich mich, die Beleuchtung auf weiß zu modernisieren. Das ergänzt sehr gut das Design des K-560 mit seiner alufarbenen Frontblende. Dazu dienten LED mit einem besonderen Gehäuse, welches eine weitgehend runde Abstrahlung, sprich auch seitlich ermöglicht. Der eingeprägte Kegel dient hier als Reflektor.

 

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Einen Vorwiderstand mit 820 Ohm lötete ich dazwischen, angegeben waren 12V=, gemessen aber nur 11V= so daß die LED mit diesem Widerstand gut paßt.

 

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Etwas verwinkelt der Einbauplatz der Casettenfachbeleuchtung.

 

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Voila, das K-560 sieht damit gleich viel eleganter und erwachsener aus. Auch wirkt es durch das tageslichtähnliche Weiß selbst nach 30 Jahren immer noch sehr modern und zeitlos. Statt "Schimmelschummergrün" nun ein eher heimeliges Lichtambiente. Mir gefällts jedenfalls deutlich besser.

 

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Die Zeiger hatten teils Abplatzer vom roten Lack, den habe ich mit etwas Rot von Humbrol, welches ich glücklicher Weise noch vorrätig hatt, nachgezogen.

 

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Auch die Cassetten werden damit recht gut ausgeleuchtet.

 

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Das K-560 wurde auch als K-550 nach USA und Canada geliefert, hier mit Holzhütte, während die übrigen Modelle das schwarze Blechgehäuse hatten. Das K-560 war auch das letzte Yamaha-Deck mit Zeigerinstrumenten. Hatte bis dahin nur das Topmodell K-960 LED-Instrumente, so folgten 1983 alle weiteren Decks mit LED-Instrumenten. Demnach wurde das K-560 nur zwei Jahre, in den Katalogen 1981/82 und '82/83 angeboten.

Ich habe nochmal alles eingemessen. Azimuth, Geschwindigkeit, Wiedergabepegel bezogen auf 160nWb/m auf 0dB-Anzeige, sprich 500mV Spitze. VU-Meter sind jetzt Pseudo-Peakmeter, welche sehr gut optisch das Hörempfundene nachzeichnen und ergänzen sich gut mit der Peak-LED-Anzeige. Die Skala paßt zwar nicht zum Ausschlag der Zeiger, aber die Zeiger an sich sind sehr genau und auch tauglich für relative Einmeßpegel.
Ich habe bisher nur die aktuelle TDK-SA 90 eingemessen. Das bleibt ein Wermuthstropfen, ich muß jede andere Sorte manuell einmessen, daher wird der Gehäusedeckel nicht verschraubt, da ich direkt von oben an die vier Potis ran muß. Die BASF-Cassetten, besonders die älteren, haben alle deutlich geringere Empfindlichkeit und benötigen vergleichsweise sehr wenig BIAS-Strom. Die werde ich demnächst testen und hier auch Frequenzgänge posten. Die SA bringt immerhin bei 18kHz ca. +1dB bei 20kHz -1dB, das kann sich hören lassen, die Kondensatorkur hat gewirkt.

Gestern habe ich dann einige Platten aufgenommen und bin beeindruckt, mit welcher Präzision und Genauigkeit das K-560 die Aufnahmen wieder gibt. Die Charakteristik des Plattenspielers kommt hier ebenso treffend zu Geltung wie auch die Charakteristika der jeweiligen Aufnahmen. Klangfarben werden exakt getroffen wie auch feine Details ausgeleuchtet. Scharfe Anrisse von Stahlsaiten einer Westerngitarre oder eine analoge elxktronische Rythmusmaschine der 80er mit ihren Eigenheiten des Signalanstieges und auch das crispelnde Näseln eines hellen Saxophones - nichts wird vom so gemachten K-560 vorenthalten. Stimmen bleiben sehr natürlich. Selbst mein getweaktes Yamaha KX-670 kommt da ins Schwitzen. Ein klanglicher Verlust zum Plattenspieler ist kaum wahrnehmbar, lediglich das Grundrauschen bewegt sich im Level des Rillenrauschens. Es bedarf schon sehr guter Pressungen, wollte sich das Rillenrauschen unterhalb des Bandrauschens bewegen. So kam ich noch gar nicht dazu, den Dolbybaustein zu testen, das muß ich der Vollständigkeit halber noch nachholen, auch wenn ich Dolby kaum benutzen werde. Ich bin beeindruckt von einem bald 30 jährigen Seniorgerät, welches heute noch zeigen kann, wie analoge Musikwiedergabe ist und auch Freude macht. Und das als Kombikopfgerät mit Singlecapstan...

Gestern habe ich mal die problematischen Vintage-BASF-Cassetten versucht einzumessen.

Den Start machte eine gelbe LH 90 von ca. 1975. Pegel ok, aber der BIAS ist bei den Japanern einfach deutlich höher und so sind auch die Geräte ausgelegt. Die BIAS-Potis waren links am Anschlag, also minimalster BIAS-Strom und der war für die BASF immer noch zu hoch. So fiel die LH sanft aber bestimmt bei 16kHz ab. Etwas rauschen, mit Dolby aber gut. -> Das Dolby B tuts im K-560 sehr gut, klanglich keine Einbußen.

Dann die Ferrocchrom von 1978. Mit TypI Aufnahmevorverzerrung war nichts zu machen, brachte auch keinen Pegel. Wiedergabe soll nach Aufdruck Typ2, also 70µs sein. Mit ebenfalls Typ2 aufnahmeseitig geht das schon besser, Pegel keine Probleme, aber auch hier der BIAS viel zu stark, Abfall ab 17kHz. Dennoch war der Klang recht gut und das Rauschen hielt sich in Grenzen. Die Ferrochrom gefällt mir nach wie vor deutlich besser als die Chromdioxyd. Mit weniger BIAS sollte auch sie gute Ergebnisse bringen.

Dann eine alte Chromdioxyd C-120 von ca. 1975. Erreichte nicht den Pegel (0dB 160nWb/m) sondern blieb selbst bei Maximaleinstellung noch gut 2dB darunter, der 315Hz-Sinus klang bereits "scharf", sprich Verzerrungen. Ich werde das später nochmals mit Oskar untersuchen. Der BIAS war kurz vor Minimalanschlag dagegen gut, 20kHz kein Problem. Da die Potis aber kurz vor Anschlag etwas ungenau werden, konnte der linke Kanal nicht ganz so optimal eingestellt werden. Eine Gegenprobe mit einer CRO2 C-90 aus dem Jahr 1979 zeigt das gleiche Verhalten, die Rezeptur des Bandmaterials hat man also offenbar einige Zeit beihehalten. Somit sind mit die Chromdioxydcassetten von BASF die problematischsten, auch das Yamaha KX-670 tut sich mit diesen Cassetten schwer.

Als Folge daraus, da ich auch diese Cassetten möglichst optimal einmessen möchte, werde ich Versuchshalber neue Potis für den BIAS einbauen, mit dem doppelten Wert, also von 50k auf 100k. Damit kann ich den BIAS-Strom deutlich mehr verringern, der Einstellbereich für japanische Cassettten sollten aber noch genügend feinfühlig bleiben. Dann folgen nochmals neue Messungen.
 
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Zwischenzeitlich habe ich weitere Aufnahmen gemacht, u.a. die Debüt-LP von Emerson, Lake & Palmer. Auf einer schon recht abgespielten (reichlich Laufriefen im Band) 30 Jahre alten TDK SA, eine meiner ersten SA Cassetten, die ich damals schon auf dem Dual C-919 spielte. Der Hochtonpegel bei 18kHz zitterte schon etwas und doch immer wieder beeindruckend, mit welcher Präzision Gerät wie Band die Aufnahme wiedergeben. ELP war für 1969 ein Meilenstein, musikalisch wie aufnahmetechnisch. Die Platte ist sehr gut gemastert und meine damals neu gekaufte Manticore-Pressung immer noch "near mint" mit einen sehr frischen, modernen Klang.  Das Schlagzeug von Carl Palmer in einem selten so präzise aufgenommenen Klang. All das kommt ebenso vom Band wieder. Nun kann ich verstehen, wenn so mancher vom Klang des K-560 geschwärmt hat.
 

Heute habe ich es geschafft, den Frequenzgang mit einer TDK SA 90 aus der letzten Generation zu messen. Die Cassette wurde als Restposten 2005 neu erworben (bereits ohne Abschirmblech, welches sich hier aber nicht negativ bemerkbar macht).

Der Frequenzgang fällt bei knapp 18kHz bereits Vorband leicht ab, 20kHz werden aber auch wiedergabeseitig innerhalb von -3dB erreicht (Werksangabe 18kHz bei TypII, Referenzband von TDK). Ein leichter Buckel von 5 kHz -ca. 12 kHz, aber alles noch im Bereich des tolerablen. 

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 Der Frequengang ist softwarebedingt sehr zackig, mit einer höheren Glättungsrate sähe er besser aus. Auffällig ist hier die Wirkung des fest verdrahteten MPX-Filters, welches bei 19kHz den Frequenzgang bereits steil abfallen läßt. Dieser wirkt auch bei Line-Durchgang.

 

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Viele Elkos wurden mittlerweile durch Folienkonensatoren ersetzt, praktisch alle, die mehr oder weniger mit dem Signalweg zu tun haben.

 

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Das, ein Austausch der Andruckrolle gegen eine neue, das Heraufsetzen der MPX-Filterfrequenz und eine optimierte Einmessung sorgen für einen herausragenden Klang. Es kann nun eine Bandbreite mit TDK-SA von 30-21500 Hz erzielt werden. Das sogar ganz ohne Dolby HX-Pro, welches erst ab Mitte 80er Jahre zum Einsatz kam.

Frequenzgangdiagramm

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Die Zacken sind aus dem Zusammenspiel von Meß-PC und Software bedingt und brauchen daher nicht beachtet werden. Verwendet wurde eine TDK-SA von 1982, also aus der Zeit, als das K-560 aktuell war. Mit Hilfe der weiter oben genannten Änderungen werden 21,5kHz bei -3dB erreicht. Die Skalierung der Y-Achse ist nicht korrekt, die Messkurve sollte bei -20dB sein. Die Abweichungen der Linearität sind weit innerhalb der vom Hersteller bzw. IEC-Norm erlaubten Toleranzen. Klanglich stellt das K-560 nun auch hohe Ansprüche zufrieden.

 

 Yamaha K-560_1

Wow & Flutter Messung mit einem Softwaretool. Mit 0,0260% RMS nach DIN kann sich der Gleichlauf sehen wie hören lassen. Weder jaulende Auschwingungen von Flügeln oder Orgeln sind wahrnehmbar, dafür eine sehr feine Zeichnung mit hoher Konstanz. Die Messungen ergeben nach dem Tausch der Andruckrolle hervoragende Werte, die deutlich unter den Werksangaben liegen. Für ein Singlecapstan mit einfachen Riemenantrieb ist das ein Bestwert. Die schlechtesten gemessenen Fenster waren bei ca. 0,0380% RMS. Das verwendete Band war ein Referenzband von BASF, direkt von einem Pancake in ein TDK-Gehäuse gespult.

 

Daten (von HiFi-Wiki.de)

Allgemein

  • Hersteller: Yamaha
  • Modell: K-560
  • Typ: Single
  • Baujahre: 1980-1981
  • Hergestellt in:
  • Farbe: silber, schwarz
  • Fernbedienung: optional per Kabel (RS-10)
  • Leistungsaufnahme: 23 Watt
  • Abmessungen: 43,5x11,2x29,4cm
  • Gewicht: 5,5 Kg
  • Neupreis ca.: MSRP $300


Anschlüsse

  • Anzahl der Eingänge:
    • Line
    • 2x Mono-Mikrofon
  • Anzahl der Ausgänge:
    • Line
    • Kopfhörer


Technische Daten

  • Tonköpfe: 2
  • Motoren: 2
  • Gleichlaufschwankungen: ±0,04%/0,15% WRMS/DIN
  • Bandarten: Typ I, II, IV
  • Frequenzgang
    • Typ I: 40 - 16000 Hz ±3 dB
    • Typ II: 40 - 18000 Hz ±3 dB
    • Typ IV: 40 - 20000 Hz ±3 dB
  • Klirrfaktor: Typ I/IV: < 1%, Typ II: < 1,5%
  • Signalrauschabstand: > 60 dB
  • Auto-Reverse: nein
  • Titelsuchlauf: nein
  • Dolby: B
  • MPX-Filter: ja, nicht abschaltbar
  • Fader: nein
  • Pitch-Kontrolle: nein
  • CD-Synchro-Aufnahme: nein


Besondere Ausstattungen

  • Timer-Schaltung