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Toshiba ist eigentlich ein Hersteller elektronischer Bauteile, besonders Halbleiter, es gibt kaum ein japanisches HiFi-Gerät aus den 70ern und 80ern wo nicht Transistoren oder ICs von Toshiba verbaut wurden. Daneben stellte Toshiba in dieser Zeit aber auch eigene HiFi-Geräte her. 1979 erschienen von verschiedenen Herstellern miniaturisierte HiFi-Geräte, sogenannte "Mini-Türme". Auch Toshiba zählte dazu und stelle die wohl hochwertigsten Geräte her. Hier sticht besonders der Vorverstärker SY-C15 hervor, der mindestens so gut wie ein vergleichbarer Vorverstärker in konventioneller Baugröße (welche meist in etwa die Breite für ein 19"-Rack haben). Lediglich die Bauteile wurden dichter gedrängt aufgebaut. In Testberichten wurde dieser Vorverstärker sehr gelobt, auch seine klanglichen Leistungen, denn die Frequenzbandbreite ging schon beim Seriengerät bis 240 kHz bei -3dB, was selbst viele "große" Vorverstärker nicht erreichen konnten. Die Schaltung ist voll diskret, simpel und dennoch hatte man an hochwertigen Bauteilen nicht gespart. Selbst das Gehäuse war keine preisgünstige "Blechkiste", sondern aus sandgestrahlten, eloxierten Aluprofilteilen passgenau aufgebaut. Sämtliche Anschlußbuchsen auf der Rückseite sind gegen Oxydation vergoldet, damals auch keine Selbstverständlichkeit. Das war alles schon in Richtung High-End und so kam es bei Toshiba auch in die "Aurex"-Reihe, die für höherwertige HiFi-Komponenten stand. Der Phonoeingang, welcher sogar zwei Plattenspielern eine umschaltbare Anschlußmöglichkeit bot, wurde mit je einer FET-Eingangsstufe pro Kanal ausgestattet, damals ein Novum. Feldeffekttransistoren erlaubten einen hohen Verstärkungsgrad bei vergleichsweise sehr geringem Rauschen gegenüber herkömmlichen Transistoren. So kamen beachtliche 88dB Rauschabstand für den Phonoeingang heraus, auch hier konnte der Kleine viele größere Konkurrenten auf die Plätze verweisen, die ähnlich aufgebaute Line-Stufe für die Hochpegeleingänge brachte durch einen sehr ähnlichen Aufbau wie die Phonostufe sogar über 100dB Rauschabstand, was man sonst eher im Studiobereich vorfand. Gleichzeitig blieben die Verzerrungen nahe der Meßbarkeitsgrenze, so konnte dieser Minivorverstärker mit Meßdaten regelrecht protzen. Ohne Zweifel gehört selbst heute der SY-C15 zu den wohl besten Geräten, die je von Toshiba hergestellt wurden.

1983 erwarb ich das vorliegende Exemplar als Restposten, eine solch relativ günstige Gelegenheit wollte ich nicht verpassen. Im jugendlichen Eifer kamen mir dann viele Ideen zur Verbesserung, die ich teils umsetzte. Nun ja, heute würde ich einiges anders machen, so z.B. das Gehäuse als ganzes belassen. Damals bekam ich von einem Bekannten den Floh ins Ohr gesetzt, Verstärker würden grundsätzlich ohne Gehäuse besser klingen, weil das abschirmende Feld stören würde, also sägte ich einen Teil des Deckels weg. Ich ersetzte fast alle Widerstände gegen noch rauschärmere, engtolerierte Metallfilmwiderstände, die Innenverkabelung wurde durch dicke RG62-Leitungen ersetzt, einige Kondensatoren durch Siemens-MKH und WIMA-MKS ersetzt. Damit erzielte ich eine hörbare Verbesserung des Klangbildes, welches an Detail und Feinzeichnung gewann. Den Netztrafo lagerte ich in ein externes Gehäuse aus, denn sein Brummfeld streute doch etwas in den Phonozweig ein, eine gekapselte Bauweise sparte man sich vielleicht auch aus Platzgründen. Das Blechgehäuse würde ich heute auch nicht mehr nehmen, aber es funktioniert verläßlich und ist robust. Ich hatte es geerdet, aber dennoch von der Masse getrennt. Später erwarb ich dann meinen Traumvorverstärker von Yamaha, den CX-70 und der kleine Toshiba nahm einen Ruheplatz im Schrank ein, für viele Jahre...

Toshiba SY-C15_1

Das Netzteil, hier wurde nur der Trafo ins Gehäuse ausgelagert und seine Anzapfungen mit einem mehradrigen, per Stecker verbundenen Kabel zum Verstärker geführt. Eingeschaltet wird am Netzteil und der Betriebszustand wird mit dem leuchtenden Schalter angezeigt. Der Netztschalter im Verstärker wurde ausgebaut und weggelassen.

Als nun der CX-70 im Phonobereich immer länger nach dem Einschalten brauchte, die Elkos zu stabilisieren, war ich genötigt, den CX-70 abzustellen, dieser erfährt in Zukunft eine umfassende Revision, von der dann auch hier berichtet werden wird. Als Ersatz wurde nun der SY-C15 reaktiviert. Allerdings war ich doch mit seinem Zustand nicht recht zufrieden, zumal ein eklatanter Fehler von damals noch nicht repariert war, nämlich ein leckender Elko im rechten Phonokanal, welcher mit einem rythmischen Ploppen mit Maximalpegel einer Endstufe oder dem Lautsprecher schon gefährlich werden kann. Bevor ich ihn also benutzen konnte, sollten nun alle "Jugendsünden" soweit möglich beseitigt werden und auch ein vollständiges "Recapping", also Austausch aller alten Elkos durchgeführt werden, zuzüglich der einen oder anderen Optimierung.

 

Toshiba SY-C15_1

Hier der Ausgangszustand. Vom früheren Originalzustand habe ich leider kein Bild. Der Kabelverhau mutet etwas wild an und mit den Jahren kam auch etwas Staubbefall, aber da sehen auch Gittergehäuse diverser Geräte nicht besser aus. Hinten links war der Netztrafo verbaut. Die gelben Kondensatoren hinten rechts bildeten die Abschlußkapazität des Phonoeingangs und hätten per Lötung angepasst werden können.

 

Toshiba SY-C15_2

Hier wurde das Gehäuse demontiert, es bleibt das Chassis mit allen Elementen und Rückwand. Nun kann es mit der weiteren Zerlegung beginnen.

 

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Rechts hinten die beiden Übeltäter im rechten Phonokanal. Zwei gegenpolig geschaltete Elkos mit 470µF, die gemessen schon über 550µF hatten, währen die des linken Kanals unauffällig waren. Nach dem Austausch war diese Störung erfolgreich beseitigt.

 

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Der Phono-MM-Eingang sollte mit einer Anpaßbarkeit in Impedanz und Kapazität aufgewertet werden. Diese Idee hatte ich schon länger und setzte sie nun um. Ein "Mäuseklavier" beschaltet beide Phonoeingänge voneinander unabhängig. Es können mittels dreier Widerstände 100k Ohm, 47k und parallel 33k geschalten werden, dazu ein 1k-Widerstand für Hochpegel-MC-Tonabnehmer. Die Kapazität ist mittels zweier parallel schaltbarer Kondensatoren auf 100pF, 200pF oder in Summe 300pF schaltbar. Damit sollten alle Magnettonabnehmer anpassbar sein, hinzu kommen das Phonokabel und Tonarm mit ca. 50-100pF. 

 

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Die Verbindungskabel von und zu den Anschlußbuchsen wurden nun mit dem wesentlich schlankeren und flexibleren RG 178 ausgeführt. Zudem sind die Kabel versilbert. Es wurden auch einige weitere Folienkondensatoren getauscht, auch die der Phonoentzerrung. Durch paarweises Selektieren konnte die Toleranz vergleichbar zu den Originalen bis in den Dreipromillebereich reduziert werden, dadurch blieb die Abweichung der RIAA-Kurve wie beim Original unter 0,2%, was für ein sehr neutrales Klangbild sorgt. Die Koppelglieder wurden Anfangs durch WIMA-Kondensatoren ersetzt. Hier hielten sich die 240 kHz Bandbreite bei 2,2µF, eine Erhöhung auf 6,8µF reduzierte diese auf 140 kHz und ein Ersatz mit Siemens MKH 2,2 µF und einem Glimmerkondensator mit 33nF als "Huckepackkapazität" erhöhte die Bandbreite auf beachtliche 700 kHz bei -3dB. Damit wird es zu einem "verstärkenden Kabel" ohne klanglichen Einfluß. Parallelkondensatoren zu den Elkos waren von Toshiba bereits ab Werk eingebaut, sogar "Snubber-Kondensatoren" parallel zu den Gleichrichterdioden im Netzteil hat man spendiert, schon damals "High-End". Ebenso wurden nun alle Elkos gegen neue von Panasonic getauscht. 

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Die Phonoanpassung kommt zu ihrem Montageplatz. Ich dachte zunächst noch an einem zusätzlichen Einbau eines MC-PrePre nach, aber verwarf diese Idee, nachdem ich doch feststellen mußte, daß es dann zu eng würde. 

 

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Die Platine mit der Phonoanpassung kam in die Nähe der Phonoeingangsbuchsen. Eine probeweise Platzierung im früheren Bereich des Netztrafos erwies sich als nachteilig, da die Wechselstromleitungen vom Netztrafo in die Schaltung mit 50Hz-Brumm einstreuten. Daher habe ich diese Kabel zusätzlich noch auf Erde geschirmt, aber diese Schirmung gegen Gerätemasse isoliert. Viele verwechseln das leider, Gerätemasse ist keine "Erde" (Ground)! Eine Verbindung kann zu ärgerlichen Brummschleifen führen. 

 

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Nun wird noch das Gehäuse gereinigt, denn nach über 30 Jahren hat sich doch etwas Schmutz in die sandgestrahlte, matte Oberfläche festgesetzt. Mit Putzstein und Zauberschwamm war dem schnell der Garaus gemacht.

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Links noch der Schmutz...

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Hier nun das fertige Ergebnis. Der SY-C15 strahlt wieder wie neu und ist jetzt sogar noch deutlich besser geworden.

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Als Gehäuseabschluß oben entschied ich mich für ein Gitterlochblech aus Aluminium, welches in der Gehäusetechnik durchaus ein Standard ist. Das Gitterlochblech begünstigt auch die Wärmeabfuhr, denn die beiden Netzregeltransistoren werden schon recht warm.

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Oben eingelassen die Anpaßschaltung für den Phonoeingang, so kann man recht bequem von aussen die Phonostufe anpassen.

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Ortofon MCA-10_10

Zwei Ortofon MCA-10 besorgen die Phono-MC-Verstärkung. Klanglich kann der kleine SY-C15 begeistern und auch feinste Signale an die Endstufe weiter geben. Hübsch anzusehen ist er durch sein samtiges Gehäusedesign zudem.